Bürogebäude Unterstrasse St.Gallen

Corinna Menn und Mark Ammann

Bürogebäude Unterstrasse St.Gallen

Masse und Auflösung

Die Pfeilerfassade aus hellem Sichtklinker ist selbsttragend und struktiv eng an das sich nach oben hin ausdünnende Betontragwerk gebunden.

 

Der Baukörper ist ein schlichter Stadtbaustein mit zurückgesetzter Attika am Rand des denkmalgeschützten Stickereiquartiers. Viele der Bauten, die während der Blüte der St. Galler Textilindustrie um 1910 entstanden, wurden hinter den Natursteinfassaden vom Beton-Pionier Robert Maillart als Stahlbeton- Skelettbauten erstellt. Dieser Kunstgriff gewährleistete Nutzungsfreiheit und optimale Belichtung.

 

An diese strukturelle Tradition des Ortes anknüp- fend und das Bedürfnis höchster Nutzungsflexibilität der Firma Namics AG aufgreifend, ist der Bürobau als Tragwerksentwurf in vorgespanntem Beton konzipiert. Die tektonische Backsteinfassade verankert den Bau in der Pfeilertypologie des Straßenraums und in der Materialität des Quartiers. Der kleinteilige Verbund des Mauerwerks erzeugt eine monolithische und gleichermaßen textile Qualität.

 

Die Fassade aus hellem Sichtklinker ist ein eigenständiges Tragwerk, das struktiv eng gebunden ist an das innere Betontragwerk. Sie ist selbsttragend ohne Abfangkonsolen über die gesamte Gebäudehöhe von 22 Meter gemauert und lediglich gegen Windkräfte rückverankert. Die gestuften, vollsteintiefen Pfeiler tragen die halbsteintiefen Brüstungsfelder, die über dem Fertigteilsturz ebenfalls vor Ort gemauert sind. Die Pfeiler sind im Blockverband, die Brüstungen im Läuferverband ausgebildet.

 

Der Klinker ist bewusst „industriell“. Er hat ein feines Farbspiel, das stark genug ist, um die Fläche zu beleben und ist gleichzeitig zurückhaltend genug, um den scharf gezeichneten Ausdruck der plastisch gestuften Pfeiler nicht zu verunklären.

 

Corinna Menn und Mark Ammann (Arge)

Ort
St. Gallen, Schweiz
Bauherr
Asga Pensionskasse AG und Namics AG
Architektenprofil
Grundstücksfläche
835 m²
Nutzungsfläche
4.100 m²
Brutto-Rauminhalt
17.500 m³
Bebaute Fläche
675 m²
Bauzeit
2015 – 2017
Baukosten
11,8 Mio. EUR