Woonhuis Duinluststraat

Bureau SLA

Woonhuis Duinluststraat

Experiment Eigenregie

Architekten, die nicht nur entwerfen, sondern auch selbst bauen. Das Projekt Woonhuis Duinluststraat stellte für das Bureau SLA eine Art Experiment dar.

Eine facettenreiche Backstein-Fassade, klassisches Design und ein spannendes Spiel mit dem verfügbaren Raum – das ist der Mix, der das Wohnhaus an der Duinluststraat in Amsterdam-Nord zu einem markanten Objekt macht. Zu den Besonderheiten gehören die Raumaufteilung mit versetzten Räumen und Höhen von bis zu fünf Metern und überhohen Türen sowie Details wie eine eingebaute Treppe ohne Trittstufen, der Verzicht auf Sockelleisten, eine besondere Ausführung des Mauerwerks und die Entwicklung einer Drehkippfenster-Attrappe anstelle des Standardaufsatzes. Die Schaffung zahlreicher Stauräume im Innenraum macht Schränke weitgehend überflüssig. Auf nur 80 Quadratmetern Grundfläche ist durch sinnvolles Spiel mit dem Raum eine Wohnfläche von 200 Quadratmetern entstanden. Diese verteilen sich auf ein größeres Apartment, dessen Räume sich über das Erdgeschoss und die erste Etage erstrecken und an das sich ein Garten anschließt. Das darüber liegende Studio im zweiten Stock bietet Zugang zu einer eigenen Dachterrasse.

In der Duinluststraat spielt die Fassade auf verschiedene Arten mit der Perspektive. Durch den Gebrauch des gleichen Backsteins in unterschiedlichen Größen, die von unten nach oben zunehmen, scheint das Gebäude höher und mächtiger, als es in Wirklichkeit ist. Es ist ein architektonisches Experiment und zugleich ein Augenzwinkern in die Vergangenheit – in der Renaissance machte man es andersherum: unten groß und oben klein. Die Fugen sind zurückspringende Schattenfugen in traditioneller Fugtechnik. Dazu passt die Lösung, Fenster und Türen etwas zurückliegender zu platzieren, um an der Gebäudefront zusätzlichen Außenraum zu schaffen. Hier folgt das Bureau SLA dem Ausspruch des portugiesischen Architekten Alvaro Siza: „When it is beautiful, it is functional.“

Das Wohnhaus steht in einer Reihe von Selbstbauhäusern. In den Niederlanden ist es für Architektur- büros ungewöhnlich, selbst zu bauen. Die Linie vom Entwurf bis zur Fertigstellung verläuft normalerweise so: Auftraggeber – Architekt – Generalunternehmer – Subunternehmer. Im Idealfall liefert der Auftraggeber ein umfassendes Programm seiner Forderungen, macht der Architekt einen passenden Entwurf, entwickelt der Generalunternehmer eine realistische Planung mit Kostenaufstellung und liefert der Handwerksbetrieb hochwertige Arbeit. Die Praxis aber sieht häufig anders aus; die Rahmenbedingungen ändern sich ständig. Bureau SLA suchte nach einem Weg, den Bau so zu organisieren, dass es direkt auf diese Änderungen einwirken kann, statt mit dem Generalunternehmer zu diskutieren. Die Architekten wollten gerne selbst mit den Handwerkern an einem Tisch sitzen, damit sich beide Seiten austauschen und voneinander lernen können – und das Gelernte dann direkt am Bau umsetzen können. Sie wollten in Abstimmung miteinander und ohne ständige Konflikte bauen: kostengünstiger, schöner und besser. Dieses Experiment Eigenregie passt zu dem Motto des Büros: Entwerfen – Erfinden – Bauen. In die Reihe innovativer Projekte, die von Plastik-Recycling bis Schulkooperationen reichen, fügt sich jetzt ein selbstgebautes Wohnhaus ein.

Ist es ein Mehrwert, wenn man nicht nur eine Mauer zeichnet, sondern auch selbst auf dem Gerüst steht und daran mitbaut? Kann man von dem Handwerker, der Backsteine versetzt, etwas lernen? Architektin Ninja Zurheide vom Buerau SLA, die ein Jahr lang morgens auf ihr Fahrrad stieg und auf die Baustelle „fietste“ sagt: „Ganz sicher! Das Resultat ist ein Wohnhaus, das auf andere Art und Weise niemals hätte gebaut werden können. Weil die Regie bis zuletzt und ins kleinste Detail in unseren eigenen Händen blieb, stieg die Qualität. Denn durch den Ansatz, den Bau anders zu organisieren, lieferte jeder beteiligte Fachmann beste Qualität und am Ende bekamen wir auch tatsächlich eine andere, bemerkenswerte Architektur.“

Bureau SLA

City
Amsterdam, Niederlande
Client
Bureau SLA: Ninja Zurheide und SF Constructies: Orson Stokvis
Architect profile
Plot size
173 m²
Brutto-Grundfläche
200 m²
Usable area
172 m²
Enclosed volume
730 m³
Construction time
2018 – 2019